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Aeonium, Strategien der Evolution

Im ersten nachchristlichen Jahrhundert beschreibt der griechische Arzt Dioskurides in seinem Werk „Über Heilmittel“ eine Pflanze (wahrscheinlich die Dach-Hauswurz, Sempervivum tectorum) mit dem Namen aizoon ἀείζωον 'langlebig'. Das Wort ist aus aionion αἰώνιον '(lebens) lang, ewig' abgeleitet.




Die Erstbescheiber der Gattung Aeonium aus der Familie der Dickblattgewächse, die Naturforscher P. B. WEBB und S. BERTHELOT, griffen auf diesen Namen zurück. Die „Langlebigkeit" führte wohl zu dem Volksglauben, die Pflanzen schützten vor Blitzeinschlägen und ist typisch für viele Dickblattgewächse mit ihren oft in Rosetten angeordneten, dickfleischigen Blätter (lat. Crassus 'dick'). Mit dem darin gespeicherten Wasser können sie auch längere Trocken perioden überstehen. So ist es verständlich, dass auf den Kanarischen Inseln zahlreiche Vertreter dieser Familie heimisch sind, viele davon sind hier endemisch, d. h. sie kommen nur in diesem Gebiet vor, manchmal nur auf einzelnen Inseln. Etwa 30 Arten der Gattung Aeonium sind für die Kanaren endemisch, nur sechs Arten leben in Afrika sowie auf den Kapverdischen Inseln.


Das Goldgelbe Aeonium (Aeonium holochrysum) findet sich auf Teneriffa, El Hierro, La Palma und selten auf Gomera. Seine kegelförmigen, bis 30 cm großen Blütenstände begrüßen jeden Besucher, der im Winter über die Insel fährt. Die Artbezeichnung holochrysum 'goldfarben' trägt es zu Recht.


Drei weitere nah verwandte Arten gehen auf die gleichen Vorfahren zurück. Für La Gomera ist Aeonium rubrolineatum streng inselendemisch, das sich durch seine rötlich gestreifte oder blassrosa Blüten unterscheidet. Nur auf La Palma beschränkt ist Aeonium arboreum. Eine beeindruckend weite Verbreitungsreise (vielleicht „im Gepäck“ von Vögeln) bis nach Äthiopien legte Aeonium leucoblepharum zurück. Die Aufspaltung in die vier Arten kann im Sinne der Evolutionstheorie als Artneubildung durch geographische Isolation gedeutet werden.


Mit seinem bäumchenförmigen Wuchs, auf den auch der Artname der Schwesternart „arboreum“ von lat. arbor 'Baum' abzielt, wächst das Goldgelbe Aeonium auf meist auf etwa 70 cm Größe heran, kann aber zu 2 m hoch werden. Für die untersten, trockensten Bereiche der Inseln reichen seine genetisch bedingten Überlebensfähigkeiten nicht aus, dafür steigt es von etwa 200 m auf bis 1200 m hinauf und erträgt auch leichten Frost bis -4 °C. Die zähholzigen Äste ermöglichen es ihm, auch windexponierte Stellen wie Mauerkanten zu besiedeln, dafür benötigt es aber einen Untergrund, indem es seine Wurzeln entsprechend tief verankern kann.


Wer bereits im Spätjahr dem nasskalten Mitteleuropa entflieht, kann eine auch bei anderen Aeonien verbreitete Überlebensstrategie beobachten: die Pflanzen sind dann noch im „Sommerschlaf“. Dazu stellen sie ihr Wachstum ein, werfen die äußeren, großen Blätter ihrer Rosetten ab und die inneren kugeln sich zusammen. So wird die Verdunstung auf ein Minimum reduziert.


Nicht nur Aeonien, sondern mehrere Pflanzengruppen aus unterschiedlichen Familien bilden große Blütenstände aus. Ins Extrem getrieben wird dieser evolutive Trend bei den spektakulären, mehrere Meter hohen Natternköpfen (z.B. Wildprets Natternkopf auf den Höhen der Caldera). Man deutet diese Wuchsform als Anpassung an die kleine Zahl von bestäubenden Insekten. Sie sollen von weithin sichtbaren Blütenständen angelockt werden. Hat ein Insekt dann eine Pflanze erreicht, kann es in kurzer Zeit viele Blüten bestäuben und so für zahlreiche Nachkommen sorgen. Die Entstehung einer solchen gleichartigen Struktur unter gleichen ökologischen „Zwängen“ bei nicht näher verwandten Arten wird als eine konvergente Entwicklung bezeichnet.


Es ist ein interessantes Denkspiel (auch für Kinder), sich auf Wanderungen zu überlegen, welche Anpassungsstrategien die Evolution bei verschiedenen Pflanzen an den oft extremen Standorten von La Palma entwickelt hat.



Author: Hans Stobinsky

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